26.1.2014

26.1.2014

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konzeptkunst in honeckers ehemaliger FAHRBEREITSCHAFT
maria kaiser
rbb kultur, 26.1.2014

wenn gäste aus dem “feindlichen ausland” die ddr besuchten, wurden sie nicht etwa im trabi oder wartburg herumkutschiert: in der ehemaligen FAHRBEREITSCHAFT in berlin-ichtenberg warteten volvos und citroens mit chauffeur auf den hohen besuch. heute zeigt das sammlerehepaar haubrok hier concept und minimal art und vermietet ateliers an künstler.  über 3.000 besucher kamen extra nach lichtenberg als barbara und axel haubrok die FAHRBEREITSCHAFT beim gallery weekend zum ersten mal öffentlich zugänglich machten.
die neugier war gross: schliesslich war das gelände bis 1989 von einem hohen stacheldraht umzäunt gewesen. jetzt erinnert nur noch das tor mit wachhäuschen am eingang daran, dass dies mal ein hochsicherheitstrakt war. wer heute über das 18.000  quadratmeter grosse gelände gegenüber vom vietnamesischen grossmarkt dong-xuan-center spaziert, dem fällt gar nicht auf, dass hier heute kunst gezeigt wird. das gelände wirkt ein bisschen verwildert: zwischen leerstehenden garagen wachsen wilde birken, die kleine tankstelle ist schon lange ausser betrieb.
aber hier wird auch gearbeitet. mittlerweile hat sich honeckers ehemalige FAHRBEREITSCHAFT in einen werkhof mit reifendienst, autowerkstatt und lackierer verwandelt. die betriebe sollen unbedingt auf dem gelände bleiben, betont axel haubrok, auch wenn leerstehende räume jetzt an künstler oder restauratoren vermietet werden. die neuen besitzer wollen eine gute mischung und die FAHRBEREITSCHAFT nicht in ein reines kunstareal verwandeln. sie freuen sich, wenn auch die “normalen gewerbetreibenden” zu den vernissagen kommen.
dem sammlerpaar barbara und axel haubrok war es mit ihrer alten galerie am strausberger platz in berlin­friedrichshain zu chic und zu langweilig geworden.  deswegen haben die sammler von konzeptkunst und minimal art die ehemalige FAHRBEREITSCHAFT der sed in lichtenberg gekauft. die haubroks haben das gelände im originalzustand übernommen und nur kleinigkeiten verändert.
und so fühlt es sich beim betreten der sogenannten einsatzleitung, einem beigen 50er-jahre-bau mit graupelputz, auch an, als wäre die zeit einfach stehen geblieben. und als wäre sie gestern noch benutzt worden, hängt in der kleinen holzsauna ein verblasster zettel “gerade wir sind doch für sauberkeit. deshalb sollte es für jeden selbstverständlich sein, nach der benutzung der sauna diese auch in gereinigtem zustand zu verlassen.”
eine kegelbahn gehört auch zur ausstattung. wer die FAHRBEREITSCHAFT besichtigt, darf sich selbst davon überzeugen, dass die noch einwandfrei funktioniert. und er darf eine kugel über die bahn rollen lassen. an der vergilbten tapete prangt stolz eine urkunde von 1985 über einen dritten platz im mannschaftskegeln um den wanderpokal der abteilung verkehr. nur in der bar mit roten kunstlederschemeln und den quadratischen glaskristalllampen an der decke ist der schnaps aus. und der zigarettenqualm fehlt: die gesamte decke ist ein einziger lüftungsabzug. man kann nur erahnen, wie viel in diesen räumen geraucht wurde.
die frage, wer hier gekegelt, sauniert und gefeiert hat, ist am ende so spannend, dass die kunst in der FAHRBEREITSCHAFT fast zur nebensache wird. in einer ehemaligen lagerhalle, einem hohen raum mit zerschlissenen sauerkohlplatten an der decke, zeigt das sammlerpaar jetzt teile seiner sammlung mit konzeptkünstlern wie christoph büchel, elmgreen & dragset, gregor schneider, tobias rehberger, martin creed,  andreas slominski, heimo zobernig, jonathan monk oder jeppe hein. ein projekt will der neue besitzer der FAHRBEREITSCHAFT in den nächsten jahren unbedingt in angriff nehmen: axel haubrok möchte die geschichte der FAHRBEREITSCHAFT aufarbeiten lassen, am besten künstlerisch.